Alexia Krauthäuser
Ein Teil meines Interesses gilt einer möglichst genauen Beobachtung. Alles ist trotz der Darstellung von Bewegtem sehr genau durchgearbeitet, so als solle der Moment möglichst weit entschlüsselt werden, um stellvertretend Erklärungsmuster für alles nur bruchstückhaft Erkannte zu bilden.
Der Gegensatz zwischen eingefrorener Szenerie und sich auflösender Dynamik und die daraus resultierende Unvollständigkeit sind für mich wesentlich.
Die Bewegung, die ich im Arbeitsprozess vollziehe, ist vorweg nicht berechenbar oder vorhersehbar oder aus einzelnen Teilen konstruierbar und entsteht erst im Geschehen. Dennoch bleiben in der Erinnerung nur Momentaufnahmen (wie die Fotografien), die beliebig und erweiterbar sind.
Während meines sechsmonatigen Arbeitsstipendiums an der Cité Internationale des Arts in Paris im Jahr 2000 entstand eine Serie von großformatigen Bildern, die sich mit dem Thema Reisen beschäftigen. In den fotografischen Vorlagen, die ich aus dem Zug aufgenommen habe, werden wie auf einer Drehscheibe Struktur und Rhythmik der Landschaft sichtbar. In einem weiteren Schritt der Abstraktion malte ich die Bewegungen in der Natur, die durch Wind entstehen. Es tauchen hier keine Referenzpunkte zur Natur in Form von Details mehr auf und eine sich auflösende Ordnung tritt hervor. Das Interesse an Bewegung beschäftigt mich bis heute in meiner Arbeit. Die erzählerischen neuen Arbeiten zeigen in Auflösung befindliche Orte, die nie als Ganzes greifbar werden. Farbschüttungen, Stempel- und Abklatschverfahren, in der der kalkulierte Zufall eine Rolle spielt, verbinden sich mit detaillierter, prüfender Betrachtung. Die Freude am Experiment und eine große Genauigkeit in der Beobachtung zeichnen mich als Künstlerpersönlichkeit aus.
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